Wieder einmal stellte der Theaterkurs unter Beweis, dass auch klassische Stoffe gar nicht verstaubt sein müssen. In gleich zwei Aufführungen widmeten sich die Schülerinnen und Schüler Von Hórvaths gesellschaftskritischem Theaterstück „Glaube Liebe Hoffnung“ und zeigte eindrucksvoll, wie sich auch ein knapp hundert Jahre altes Stück sehr überzeugend und mit viel Spielfreude auf eine moderne Bühne bringen lässt. Über den Inhalt schreibt Ben Weyers, selbst Teilnehmer des Kurses:
„`Wer immer strebend sich bemüht … naja, der wird eben doch nicht immer erlöst.` – Hatte der alte Goethe in seinem Lebenswerk vielleicht doch Unrecht? Elisabeths Schicksal stellt den Beweis dar: In unserer Neuinterpretation von Ödön von Horváths Klassiker Glaube Liebe Hoffnung zeigt sich die bürokratische, heuchlerische und groteske Seite der Gesellschaft.
Eine junge Dame versucht, trotz und wegen ihrer Armut, zweifellos Arbeit zu finden. Sie benötigt für den fehlenden Wandergewerbeschein 150 Mark, die sie aus purer Verzweiflung durch den Verkauf ihres lebendigen Leibes an das Anatomische Institut zu beschaffen versucht. Der Präparator lehnt zunächst ab, doch der Engel auf seiner Schulter rät ihm, Elisabeth das Geld vorzustrecken: „Es sei noch Hoffnung in ihr.“
Die teuflische Kapitalistin Irene Prantl ist von den niedrigen Umsätzen Elisabeths empört. Jene Empörung wird noch größer, als der Präparator hereinstürmt und aufdeckt, dass sie ihn über die Tätigkeit ihres Vaters belogen habe. Das Urteil, erteilt durch den Gatten der „unbeugsamen Furie“ Frau Amtsgerichtsrat, fällt schwerwiegend aus: 14 Tage Zuchthaus ohne Bewährung.
Auch in der Liebe probiert sich Elisabeth: Sie verliebt sich in Alfons Klostermeyer, Staatsgewaltorgan durch und durch. Doch auch die Liebe hält nicht lange: Die Polizei prüft ihr Leben, findet sie zusammen in der Wohnung des jungen Polizisten und stuft sie als „Gefährdung der öffentlichen Ordnung“ ein.
Nachdem Elisabeth sowohl die Hoffnung als auch die Liebe verliert, bleibt nur noch der Glaube. Diesen kann sie allerdings auch nicht mehr finden und es existiert schließlich nur noch ein letzter Ausweg. Ein tragisches Ende, das die Zuschauer über die heutige Gesellschaft nachdenken lässt.“
Text: Judith Keßler / Ben (Q1), Fotos: Peter Schicks

