Stellt euch vor, ihr hättet ihn nicht gekannt. Und stellt euch vor, wir würden euch von ihm erzählen. Wir würden sagen, da war ein Mensch, der viel bewirkt hat.
Er hat die Schulpartnerschaft mit Nueva Esperanza in El Salvador über Jahrzehnte maßgeblich geformt und getragen. Ungeachtet des Rollstuhls, der ihn seit seiner Jugend durchs Leben begleitete, reiste er mehrfach in das mittelamerikanische Land, um tätige Hilfe zu leisten. Mit den Schülerinnen und Schülern der AG Fairständnis wurde er mehrfach für dieses herausragende soziale Engagement ausgezeichnet.
Er hat Rhythmusgruppen, allen voran unsere „Konga Quings“, geleitet und mit ihnen zahllose mitreißende musikalische Auftritte geprägt.
Er hat sich in der Lokalpolitik engagiert und dort als Mitglied des Stadtrats versucht, hier vor Ort seine Vorstellungen und Anliegen voranzubringen.
Er hat sich – wiederum im Zeichen der Solidarität – dafür eingesetzt, dass die Fenster des KAG jährlich am 12. Mai blau erstrahlen, um ein Zeichen zu setzen für alle, die an ME/CFS erkrankt sind.
Er hat mit dem Handbike an Marathonfahrten teilgenommen und hat uns als Teamkapitän beim Stadtradeln begeistert und angetrieben.
Stellt euch also vor, ihr hättet ihn nicht gekannt, und wir würden all dies erzählen. Was für einen Menschen hättet ihr vor Augen? Vermutlich einen recht schillernden Menschen, einen, der immer im Mittelpunkt und im Lichte steht, und auf den sich alle Augen richten. Doch gerade das war Bruno Janßen nicht. Denn dies ist das erstaunlichste an seinem Wirken und Bewirken: Die Ruhe und Bescheidenheit, mit der all dies geschah.
Er war ein Mensch, der im Gespräch eigentlich eher zuhörte, als dass er selber sprach. Und der einem doch am Ende, trotz der wenigen Worte, viel gesagt hatte.
Einer, der sich immer einbrachte, und sich doch selbst zurücknahm. Nie forsch-fordernd, aber immer beharrlich. Stets engagiert, aber niemals belehrend. Kein „Gutmensch“, sondern einfach – ein guter Mensch.
Auf diese stille Weise hat er, der seine Füße nicht bewegen konnte, viel tiefere Fußspuren hinterlassen, als die meisten, die es können. Er hat gehandelt, und so andere zum Handeln bewegt.
Die Kraft, die er dabei in so vielen geweckt hat, sie hat ihn selbst zuletzt verlassen. Am 1. Oktober ist unser Lehrer, unser Kollege, unser Freund Bruno Janßen gestorben.
Die Lücke zu füllen, die er hinterlässt – das ist wohl die größte Aufgabe, vor die er uns in all der Zeit gestellt hat.
Er hatte noch viel vor. Packen wir’s an.
Text: Jan Hellwig, Fotos: Lena Linden-Breuer / KAG Archiv

