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Das dichte Blätterdach des Dschungels war Hiroos einzige Welt geworden. Für ihn war der 2. Weltkrieg nie zu Ende gegangen. Als der japanische Soldat 1944 den Befehl erhielt, die Stellung auf der Insel Lubang zu halten, nahm er das wörtlich: „Aufgeben ist keine Option.“

Drei Jahrzehnte lang lebte er wie ein Geist. Er ernährte sich von Bananen, Kokosnüssen und gestohlenen Rindern. Seine Uniform zerfiel, doch er flickte sie mit Hanffasern. Sein Gewehr hielt er penibel sauber – es war sein einziger Anker in einer Realität, die längst an ihm vorbeigezogen war. Flugblätter, die den Frieden verkündeten, tat er als feindliche Propaganda ab. Die Welt baute Wolkenkratzer und flog zum Mond, während Hiroo im Unterholz auf einen Feind wartete, der nicht mehr kam.

Erst 1974 änderte sich alles. Ein junger Reisender spürte ihn auf, doch Hiroo blieb stur: Nur sein damaliger Vorgesetzter könne ihn vom Dienst entbinden. Und so geschah das Unglaubliche: Man holte seinen alten Major aus dem Ruhestand. Inmitten des grünen Infernos salutierte der gealterte Soldat ein letztes Mal. Als er hörte, dass Japan kapituliert hatte, brach seine Welt zusammen – nicht vor Schmerz, sondern vor der Last der verlorenen Zeit. Er legte sein Schwert nieder und trat aus dem Schatten in ein Licht, das ihm viel zu hell erschien.

Text: Muhammed, Foto: Von Autor/-in unbekannt – http://www.wanpela.com/holdouts/profiles/onoda.html, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2456271